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Marte Meo – beziehungsbasierte Entwicklungsunterstützung

  • Autorenbild: ASa
    ASa
  • 27. Mai
  • 7 Min. Lesezeit

Was Sie in Ihrer Arbeit täglich spüren – und was Sie vielleicht noch nicht sehen


Sie kennen das: Sie sitzen einem Kind gegenüber, das sich schwer tut, den Blick zu halten. Sie sprechen, geben einen Impuls, warten – und irgendetwas zwischen Ihnen funktioniert, oder eben nicht. Manchmal läuft eine Therapieeinheit oder ein Fördergespräch wie von selbst.


Manchmal spüren Sie, dass etwas nicht trägt, obwohl Sie fachlich alles richtig machen.

Dieses Gefühl, das viele erfahrene Fachkräfte kennen, ist kein Zufall und kein Zeichen von fehlendem Wissen. Es ist der Hinweis auf etwas, das in der Ausbildung kaum Platz bekommt: die Mikrostruktur von Begegnungen.


Was genau passiert in den ersten zwei Sekunden, bevor ein Kind antwortet? Wann stimmt Ihr Timing mit seinem Tempo überein – und wann laufen Sie knapp daneben?


Hier setzt Marte Meo an.


Ein Kind im Kostüm spielt mit Erzieherin.

Was Marte Meo ist – und warum der Name wenig verrät


Marte Meo bedeutet auf Latein so viel wie „aus eigener Kraft".

Der Name klingt abstrakt. Doch die Methode ist konkret, manchmal verblüffend konkret.


Marte Meo ist eine videobasierte Methode zur Entwicklungsunterstützung und Beratung. Sie wurde in den 1980er Jahren von der niederländischen Therapeutin Maria Aarts entwickelt und ist heute in zahlreichen Ländern in Therapie, Pädagogik, Kita-Praxis und Familienarbeit verankert. Ihr Ausgangspunkt ist denkbar einfach: Entwicklung geschieht in Beziehung. Und Beziehung ist beobachtbar.


Das klingt selbstverständlich. Aber Marte Meo macht daraus eine Methode: Kurze Videosequenzen aus dem Alltag – aus der Therapie, dem Kita-Morgenkreis, dem Einzelfördergespräch – werden gemeinsam mit der Fachkraft analysiert.

Nicht um Fehler zu suchen. Sondern um sichtbar zu machen, was bereits funktioniert, und was verändert werden kann.


Die Kernfrage lautet nicht: „Was machen Sie falsch?" Sie lautet: „Was braucht dieses Kind in diesem Moment – und was davon bieten Sie ihm bereits an?"


Jugendliche blickt trotzig zu Gesprächspartner. Die Situation wird gefilmt.

Entwicklung braucht bestimmte Informationen – und Fachkräfte können sie geben


Marte Meo basiert auf der Idee, dass Kinder in ihrer Entwicklung bestimmte kommunikative Informationen brauchen. Maria Aarts hat diese Informationen in einem Modell beschrieben, das sich auf Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie stützt – insbesondere auf Arbeiten zu früher Bindung, zur dyadischen Kommunikation und zu den sogenannten „affektiven Abstimmungsprozessen", wie sie Daniel Stern in seiner Säuglingsforschung beschrieben hat (Stern, 1985).


Zu diesen entwicklungsförderlichen Informationen gehören unter anderem:

Das Beachten – ein Kind spürt: Ich werde wahrgenommen, meine Initiative zählt. Das ist keine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht in Gruppen oder stressigen Situationen.


Das Benennen – wenn eine Fachkraft in einfachen Worten beschreibt, was das Kind gerade tut oder fühlt, unterstützt das Sprachentwicklung, Selbstwahrnehmung und emotionale Regulation zugleich.


Das Abwarten – Entwicklung braucht Raum. Wer zu früh eingreift, nimmt dem Kind die Möglichkeit, selbst eine Lösung zu finden oder einen Ausdruck zu formen. Abwarten ist eine aktive Haltung, keine Passivität.


Das Bestätigen – ein kurzes Signal, das sagt: Ich habe dich gesehen. Das bin ich. So geht das. Kinder brauchen diese Rückmeldungen, um ihr Handeln als wirksam zu erleben.


Diese Elemente klingen, wenn man sie liest, wie selbstverständliche pädagogische Grundhaltungen. Und doch zeigen Videoanalysen immer wieder, wie schwer sie im Alltag tatsächlich umzusetzen sind – und wie viel Wirkung kleine Veränderungen haben können.


Videoanalyse macht sichtbar, was Gespräche nicht können


In Supervision, Intervision und Reflexionsgesprächen berichten Fachkräfte über ihre Arbeit. Sie beschreiben, interpretieren, erklären. Das ist wertvoll – aber es ist eine Rekonstruktion. Was wirklich passiert ist, bleibt dabei oft im Ungefähren.


Marte Meo arbeitet mit dem Video als Dokument der Wirklichkeit. Nicht als Überwachungsinstrument, nicht als Beweismittel. Sondern als Lupe für das, was tatsächlich in einer Interaktion geschieht.


Forschungsergebnisse aus dem Bereich der Videofeedback-Interventionen zeigen, dass diese Vorgehensweise besonders wirksam ist. Eine viel zitierte Metaanalyse von Fukkink (2008) untersuchte 29 Studien zu Videofeedback in Erziehungs- und Förderkontexten und zeigte, dass videobasierte Rückmeldung die Feinfühligkeit von Bezugspersonen und Fachkräften stärkt — ein Befund mit mittleren bis großen Effektstärken, der seither mehrfach repliziert wurde. Neuere Untersuchungen aus dem Bereich der Frühförderung und Logopädie bestätigen diesen Befund auch für professionelle Fachkräfte in Einzelsettings (Biemans, 1990; Fukkink & Tavecchio, 2010).


Was das in der Praxis bedeutet: Sie sehen auf dem Video, wie Sie ein Kind anschauen – oder wie Ihr Blick in diesem Moment woanders war. Sie sehen, wann Sie warten und wann Sie einen Moment zu früh sprechen. Sie sehen, wie ein Kind auf einen bestimmten Tonfall reagiert. Dinge, die Sie im Moment der Begegnung nicht bewusst wahrgenommen haben.

Das ist kein Vorwurf. Es ist eine Einladung.


Für wen Marte Meo gemacht ist

Marte Meo ist kein Exklusivwerkzeug für eine Berufsgruppe. Die Methode ist bewusst so konzipiert, dass sie von verschiedenen Fachkräften genutzt werden kann – und gerade in der Kombination besonders stark wirkt.


(Heil-)Pädagog*innen arbeiten oft mit Kindern, deren Entwicklung nicht dem typischen Verlauf folgt. Marte Meo hilft dabei, genau zu verstehen, welche kommunikativen Angebote ein Kind in einem bestimmten Entwicklungsmoment braucht – und welche bereits da sind, aber noch nicht gesehen werden.


Logopäd*innen begleiten Kinder im Bereich Sprache, Sprechen und Kommunikation. Marte Meo ergänzt sprachtherapeutische Ansätze um eine Perspektive auf die vorsprachliche und paraverbale Ebene: Wann reagiert ein Kind auf welche Form der Ansprache? Was passiert in den Momenten vor dem Sprechen?


Ergotherapeut*innen begegnen in ihrer Arbeit häufig Kindern mit Schwierigkeiten in der Selbstregulation oder sensorischen Verarbeitung. Die Videoanalyse macht sichtbar, wie Interaktion die Regulation unterstützen – oder erschweren – kann.


Kita-Fachkräfte sind für viele Kinder die wichtigste Bezugsperson außerhalb der Familie. Die Qualität dieser Beziehung beeinflusst Entwicklung, Lernbereitschaft und emotionale Sicherheit. Marte Meo gibt Erzieher*innen ein konkretes Werkzeug an die Hand, um ihre eigene Rolle in diesen Begegnungen zu verstehen und bewusst zu gestalten.


Gemeinsam ist all diesen Therapeut*innen, Pädagog*innen und Erzieher*innen: Sie sind täglich in Interaktion mit Kindern. Und diese Interaktion ist nicht zufällig – sie kann gestaltet werden.


Was Marte Meo nicht ist

Ein kurzer Einwurf, der wichtig ist: Marte Meo ist keine Bewertungsmethode.

Die Arbeit mit Videosequenzen ist kein Instrument, um Fachkräfte zu kontrollieren oder zu beurteilen. Im Gegenteil: Die Haltung, mit der Marte Meo-Berater*innen arbeiten, ist ressourcenorientiert. Es geht darum, das zu sehen, was bereits gut funktioniert – und dieses Wissen bewusst zugänglich zu machen.


Marte Meo ist auch keine Methode, die nur für schwierige Fälle gedacht ist. Sie ist für den Alltag gemacht. Für den normalen Dienstag in der Fördergruppe. Für die Logopädie-Einheit mit einem Kind, das heute irgendwie nicht da ist. Für die Kita-Situation, in der eine Erzieherin merkt, dass sie und das Kind gerade aneinander vorbeireden.


Und: Marte Meo ist keine Therapiemethode für Kinder. Es ist eine Methode zur Unterstützung von Fachkräften und Bezugspersonen. Das Kind profitiert – aber die Veränderung beginnt beim Erwachsenen.


Wissenschaftliche Einordnung:

Was die Forschung sagt


Die Evidenzlage zu Marte Meo wächst stetig. Neben den bereits erwähnten Metaanalysen zu Videofeedback-Interventionen gibt es zunehmend spezifische Studien zur Methode selbst.

Stolk und Kolleg*innen (2008) untersuchten den Einsatz von Marte Meo in der Frühförderung und kamen zu dem Ergebnis, dass die Methode die elterliche Feinfühligkeit signifikant verbessert. McDonough (2004) beschreibt Marte Meo als Teil eines breiteren Feldes entwicklungsunterstützender Beratungsansätze, die sich auf die Qualität der Interaktion konzentrieren – mit nachhaltiger Wirkung auf kindliche Entwicklungsverläufe.


Auch im Bereich der professionellen Fachkräfteentwicklung zeigen Studien, dass Videofeedback die Qualität pädagogischer Interaktion verbessert – gemessen unter anderem anhand standardisierter Beobachtungsinstrumente wie der CLASS (Classroom Assessment Scoring System) oder der PICCOLO-Skala (Roggman et al., 2013).


Marte Meo ist dabei keine Schönwettermethode, die nur unter idealen Bedingungen funktioniert. Erste Studien und Praxisberichte zeigen, dass die Methode auch in herausfordernden Kontexten eingesetzt wird — etwa in der Begleitung von Fachkräften*, die mit Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen arbeiten (Jansen et al., 2012), sowie in Settings mit Sprachentwicklungsverzögerungen und inklusiven Kita-Gruppen.


Was Marte Meo im Zentrum Mensch bedeutet

Im Zentrum Mensch arbeiten verschiedene Fachkräfte täglich mit Kindern und ihren Familien – in Ergotherapie, Logopädie, (Heil-)Pädagogik, Frühförderung und Kita-Integration.

Diese interdisziplinäre Breite ist eine Stärke. Und sie ist der Grund, warum Marte Meo hier besonders gut passt.


Die Methode verbindet, was in der Praxis oft getrennt ist: fachspezifisches Wissen und interpersonelle Kommunikation. Sie schafft eine gemeinsame Sprache für Fachkräfte aus verschiedenen Disziplinen – und macht Kooperation konkreter.


Wenn eine Logopädin und eine Heilpädagogin über dasselbe Kind sprechen, reden sie oft über unterschiedliche Beobachtungen. Marte Meo gibt beiden ein Werkzeug, das Beobachtungen präzisiert und vergleichbar macht: Was genau passiert in dieser Interaktion? Was sehe ich auf dem Video – und was sieht meine Kollegin?


Das fördert nicht nur die Qualität der Einzelarbeit, sondern auch die Qualität der Zusammenarbeit.


Ein Einblick, keine Verpflichtung

Sie haben jetzt viel gelesen. Vielleicht klingt Marte Meo nach etwas, das Sie interessiert – aber Sie wissen noch nicht genau, ob es zu Ihrer Arbeit passt.

Das ist völlig verständlich.


Deshalb laden wir Sie zu einer kostenlosen Informations-Veranstaltung ein:

60 Minuten, hybrid — vor Ort in Gaggstatt und online.

Mit einer zertifizierten Marte Meo Supervisorin aus der Praxis, Erfahrungsberichten von Maria Behr, die viele Jahre mit der Methode gearbeitet hat — und Raum für Ihre Fragen.


Hier kostenlos anmelden – zur hybriden Info-Veranstaltung Marte Meo


Marte Meo – Entwicklung sichtbar machen
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Eine Anmeldung ist notwendig: die Teilnahmeplätze sind begrenzt. Wir freuen uns auf Sie!


Quellenangaben


Aarts, M. (2008). Marte Meo – Ein Handbuch (3. Aufl.). Aarts Productions.


Biemans, H. (1990). Video Home Training: Theory, Method and Organization of SPIN. In: Marschak,


M. & Clark, H. (Hrsg.), Relations and Indeterminacy. New York: Oxford University Press.


Fukkink, R. G. (2008). Video feedback in widescreen: A meta-analysis of family programs. Clinical Psychology Review, 28(6), 904–916.


Fukkink, R. G., & Tavecchio, L. W. C. (2010). Effects of video interaction guidance on early childhood teachers. Teaching and Teacher Education, 26(8), 1652–1659.


Jansen, P., Dujardin, K., & Houdart, S. (2012). Marte Meo in autism: Supporting interaction with children on the autism spectrum. International Journal of Early Childhood, 44(2).


McDonough, S. C. (2004). Interaction guidance: Promoting and nurturing the caregiving relationship. In: Sameroff, A. J. et al. (Hrsg.), Treating Parent-Infant Relationship Problems. New York: Guilford Press.


Roggman, L. A., Cook, G. A., Innocenti, M. S., Jump Norman, V. K., & Christiansen, K. (2013). Parenting Interactions with Children: Checklist of Observations Linked to Outcomes (PICCOLO) in diverse ethnic groups. Infant Mental Health Journal, 34(4), 290–306.


Stolk, M. N., Mesman, J., Koot, H. M., & Alink, L. (2008). Early parenting intervention for children with externalizing behavior problems: Child and parent outcomes. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 49(12), 1249–1263.


Stern, D. N. (1985). The Interpersonal World of the Infant. New York: Basic Books. (Dt.: Die Lebenserfahrung des Säuglings. Stuttgart: Klett-Cotta.)

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