Warum Erzieher:innen, Ergotherapeut:innen und Logopäd:innen denselben Kurs besuchen
- ASa

- 30. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Was Marte Meo mit unserem Alltag zu tun hat — und warum die Methode in der Praxis mehr verändert als erwartet.
Was am Abend auffiel
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Informationsveranstaltung zur Marte-Meo-Weiterbildung der ZM Academy kamen aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern:
Erzieherinnen, Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendhilfe, eine Logopädin aus dem Reha-Bereich, Mitarbeitende aus der Altenhilfe. Alle saßen im selben Raum — und alle erkannten sich in denselben Filmszenen wieder.
„Marte Meo" bedeutet frei übersetzt „aus eigener Kraft".
Der von der Niederländerin Maria Aarts entwickelte Ansatz setzt genau dort an: Menschen dabei zu unterstützen, ihre eigenen Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten zu entdecken.
Entwicklung sehen, bevor man sie beschreibt

Referentin Frau Behr zeigte anhand konkreter Filmbeispiele, wie das in der Praxis aussieht.
Zu sehen war unter anderem die drei Monate alte Edda, die beginnt, Laute zu bilden.
Ihr Vater unterstützt ihren Aufmerksamkeitsfokus, geht auf ihre Signale ein, stellt durch Blickkontakt Verbindung her. Edda erlebt sich als wahrgenommen und gesehen.
In einer späteren Aufnahme, in der Edda älter ist und mit ihrem Vater spielt, wird deutlich, wie wichtig es ist, der Initiative des Kindes zu folgen — und wie Selbstwahrnehmung und Selbstregulation auf diese Weise unterstützt werden können.
Ein weiteres Beispiel zeigte den sechs Monate alten Joshua mit seiner Mutter im Garten. Die zentrale Frage: Wie komme ich in die Welt des Kindes? Frau Behr erläuterte, wie wesentlich es ist, Handlungen und Erlebnisse sprachlich zu begleiten — nicht nur das, was geschieht, sondern auch Gefühle und emotionale Zustände. Wer benennt, was ein Kind gerade erlebt, kann ihm helfen, seine Erfahrungen einzuordnen.
Ein besonderer Vorteil von Marte Meo liegt darin, dass Filmaufnahmen eine neutrale Grundlage für Gespräche schaffen.
Eltern und Bezugspersonen sehen selbst, was bereits gut gelingt — die Erkenntnis entsteht nicht durch Fremdeinschätzung, sondern durch eigene Wahrnehmung. Manchmal erhalten Eltern die Aufgabe, sich bewusst „auf die Hände zu setzen": nicht sofort einzugreifen, sondern aufmerksam zu beobachten und dem Kind zu folgen. Gerade in herausfordernden Alltagssituationen kann das neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen.
Besonders eindrucksvoll war ein Beispiel aus einer Altenhilfeeinrichtung, in der das gesamte Team die Marte-Meo-Weiterbildung absolviert hat. Anhand der Aufnahmen wurde deutlich, wie Faktoren wie Gesichtsausdruck, Stimme, Tempo und Haltung gelingende Kommunikation prägen — auch und gerade im Umgang mit Menschen mit Demenz. Vorhersagbarkeit, angemessener Abstand, Kommunikation auf Augenhöhe und das geduldige Warten auf eine Initiative der Bewohnerin schufen Sicherheit und echten Kontakt.
Die Diskussion danach war lebhaft.
Zeitdruck im Alltag, die zunehmende Ablenkung durch digitale Medien, die Frage, wie viel Intuition in der Arbeit mit Menschen steckt und wie viel davon bewusst gemacht werden kann... Die Themen kamen schnell, und sie kamen aus dem Raum, nicht von vorne.
Genau das zeigte, wie nah Marte Meo an den echten Fragen des Berufsalltags ist:
Die Methode setzt bei der natürlichen Intuition von Bezugspersonen an und macht hilfreiche Verhaltensweisen sichtbar. Nicht als Korrektur, sondern als Bestätigung dessen, was viele bereits tun, ohne es benennen zu können.
Frau Behr berichtete aus ihrer eigenen Praxis, in der sie Marte Meo in belasteten Familiensystemen, in der Kinder- und Jugendhilfe und in Supervisionsprozessen einsetzt. Aus ihrer Praxiserfahrung berichtet sie, dass eine bewusstere Begleitung von Aufmerksamkeit und Kontakt den Alltag für Fachkräfte wie für die begleiteten Menschen strukturierter erlebbar machen kann.
Was das für die eigene Arbeit bedeutet
Nicht Perfektion — sondern bewusste Momente
Angela D'Elia, Leiterin der Interdisziplinären Frühförderstelle am Zentrum Mensch und Initiatorin des Practitioner-Kurses, bringt das Ziel auf den Punkt:
Nicht Perfektion ist das Ziel, sondern bewusst gestaltete Momente von Verbindung und Kontakt — davon profitieren die begleiteten Menschen ebenso wie die Fachkräfte selbst.
Im Practitioner-Kurs bringen Teilnehmende eigene Filmsequenzen aus ihrem Arbeitsalltag mit.
Die Analyse findet gemeinsam statt — an den eigenen Beispielen, an denen der anderen, an den Praxisfällen der Dozentin. Der darauf aufbauende Therapeutenkurs vertieft die Beratungskompetenz und die Begleitung von Entwicklungsprozessen.

Interesse am Practitioner-Kurs der ZM Academy?
Alle Informationen und die Anmeldung gibt es hier: www.im-zm.de/marte-meo-practitioner
Wenn Sie interessiert, aber noch unsicher sind:
Wir bieten eine zweite Info-Veranstaltung am Dienstag, 21.07. in Gaggstatt an.
Alle Informationen und kostenlose Anmeldung dazu hier: zur ZM Academy
Die in diesem Beitrag beschriebenen Filmbeispiele sind speziell für die Marte-Meo-Weiterbildung erstelltes Lehrmaterial und wurden mit Einwilligung der abgebildeten Personen, bzw. ihrer Erziehungsberechtigten für Ausbildungszwecke produziert.



