Nahrungsergänzungsmittel - sinnvoll oder überflüssig?
ein Beitrag von Dr. Katrin Schneider, Sportwissenschaftlerin und Leitung Betriebliches Gesundheitsmanagement
Zwischen Lifestyle-Trend und echter Versorgung
Vitamine, Mineralstoffe, Omega-3-Kapseln oder Magnesiumpräparate: Für viele Menschen gehören Nahrungsergänzungsmittel längst zum Alltag.
Die Regale in Drogerien und Apotheken sind gut gefüllt, in sozialen Medien wird für zahlreiche Präparate geworben. Braucht unser Körper diese zusätzlichen Nährstoffe wirklich oder handelt es sich um einen Trend?
Die Antwort lautet: Es kommt darauf an.

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?
Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, die bestimmte Nährstoffe in konzentrierter Form enthalten, etwa Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren oder Fettsäuren. Sie sollen die normale Ernährung ergänzen, nicht eine ausgewogene Ernährungsweise ersetzen.
Anders als Medikamente müssen Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland vor dem Verkauf nicht zugelassen werden. Hersteller sind jedoch verpflichtet, Inhaltsstoffe, Dosierungen und empfohlene Verzehrmengen anzugeben.
Warum greifen so viele Menschen zu Nahrungsergänzungsmitteln?
Besonders häufig eingenommen werden Mineralstoffe wie Magnesium, Calcium oder Eisen, verschiedene Vitamine, insbesondere Vitamin D und B-Vitamine, sowie Omega-3-Fettsäuren.
Die Gründe dafür sind vielfältig:
Wunsch nach mehr Energie und Leistungsfähigkeit
Unterstützung des Immunsystems
Ausgleich ernährungsbedingter Defizite
Erhöhte Belastung durch Stress
Gesundheitsbewusstsein und Prävention
Nicht selten möchten Menschen ihren Körper gezielt unterstützen, obwohl noch keine Erkrankung vorliegt.
Können trotz guter Ernährung Nährstoffdefizite entstehen?
Eine ausgewogene Ernährung bleibt eine wichtige Grundlage für Gesundheit.
Dennoch gibt es Situationen, in denen die Versorgung mit einzelnen Mikronährstoffen nicht optimal ist. Moderne Lebensgewohnheiten, hohe Stressbelastung, einseitige Ernährung oder bestimmte Erkrankungen können den Bedarf erhöhen.
Auch ältere Menschen, Personen mit chronischen Erkrankungen oder Menschen mit eingeschränkter Nahrungsaufnahme gehören zu den Risikogruppen für Nährstoffmängel.

Woran erkennt man einen Mikronährstoffmangel?
Ein leichter, sogenannter latenter Mangel zeigt sich häufig nicht sofort in eindeutigen Symptomen.
Stattdessen treten oft unspezifische Beschwerden auf, etwa:
Müdigkeit und Leistungsabfall
verminderte Stresstoleranz
erhöhte Infektanfälligkeit
Schlafstörungen
Konzentrationsschwierigkeiten
Vergesslichkeit
Erst bei ausgeprägteren Defiziten können typische Symptome entstehen, beispielsweise eine Eisenmangelanämie, Zahnfleischbluten bei Vitamin-C-Mangel oder Wundheilungsstörungen bei Zinkmangel.
Ein definierter Mangel ist ausschließlich über eine ärztliche Untersuchung feststellbar.
Warum Nährstoffe für unsere Zellen so wichtig sind
Gesundheit beginnt auf Zellebene. Jede Körperzelle benötigt eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen, um Energie zu produzieren, Stoffwechselprozesse aufrechtzuerhalten und sich zu regenerieren.
Nährstoffe übernehmen dabei zahlreiche Aufgaben:
Sie dienen als Bausteine der Zellmembranen.
Sie wirken als Cofaktoren für Enzyme.
Sie unterstützen die Energiegewinnung in den Mitochondrien.
Sie fördern Entgiftungs- und Reparaturprozesse.
Sie ermöglichen die Kommunikation zwischen Zellen.
Sind diese Prozesse gut unterstützt, wirkt sich dies häufig auf Energie, Konzentration, Regeneration und Immunkompetenz aus.
Medikamente und Nährstoffe - kein Widerspruch
Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente werden immer wieder gegeneinander ausgespielt. Tatsächlich erfüllen beide unterschiedliche Aufgaben.
Medikamente greifen gezielt in Krankheitsprozesse ein und sind in vielen Fällen unverzichtbar. Nährstoffe unterstützen dagegen die natürlichen Stoffwechsel- und Regulationsprozesse des Körpers.
Sie ersetzen keine notwendige medizinische Behandlung, können aber eine wichtige Grundlage für die körpereigene Funktionalität darstellen.
Drei Nährstoffe, die besondere Aufmerksamkeit verdienen
Magnesium - der Stoffwechselmanager
Magnesium ist an mehr als 300 enzymatischen Reaktionen beteiligt. Es spielt eine Rolle bei der Energieproduktion sowie der Funktion von Nerven- und Muskelzellen und trägt zur Verringerung von Müdigkeit bei.
Vitamin D - mehr als ein Vitamin
Vitamin D beeinflusst zahlreiche Vorgänge im Körper, darunter Immunfunktion, Muskelkraft und Zellregulation. Besonders in unseren Breitengraden ist eine unzureichende Versorgung keine Seltenheit. Für seine volle Wirksamkeit benötigt Vitamin D unter anderem ausreichend Magnesium.
Omega-3-Fettsäuren - Bausteine gesunder Zellmembranen
Omega-3-Fettsäuren sind Bestandteil jeder Zellmembran und unterstützen die Signalübertragung zwischen Zellen.
Die entscheidende Botschaft: Ergänzen statt ersetzen
Nährstoffe schaffen günstige Voraussetzungen für Gesundheit, sie ersetzen aber keinen gesundheitsförderlichen Lebensstil. Sinnvoll ergänzen können sie dort, wo ein erhöhter Bedarf besteht oder Versorgungslücken auftreten.
Fazit
Nahrungsergänzungsmittel sind weder Wundermittel noch grundsätzlich überflüssig. Sie können bei bestimmten Personengruppen, Lebenssituationen oder nachgewiesenen Defiziten einen wertvollen Beitrag leisten.
Entscheidend ist ein individueller, bedarfsgerechter Einsatz. Gesundheit entsteht nicht durch eine einzelne Kapsel, sondern durch das Zusammenspiel vieler Faktoren: ausgewogene Ernährung, Bewegung, Erholung, soziale Verbundenheit und eine gute Versorgung der Zellen mit den Nährstoffen, die sie benötigen.
Unsere Ernährungsberaterinnen und -berater bei Zentrum Mensch begleiten Menschen dabei, ihre individuelle Nährstoffversorgung einzuordnen und alltagstaugliche Wege zu einer ausgewogenen Ernährung zu finden.
Quellen
Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Was sind Nahrungsergänzungsmittel?
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Nahrungsergänzungsmittel
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Gesundheitliche Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln
Robert Koch-Institut (RKI): Vitamin-D-Status in Deutschland (Rabenberg/Mensink, 2016)
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwert Magnesium; FAQ Magnesium
Calder PC. (2010): Omega-3 Fatty Acids and Inflammatory Processes. Nutrients.



