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Die neusten Methoden der Ergotherapie

  • Autorenbild: SMa
    SMa
  • 28. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Die Ergotherapie hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, technologische Innovationen und veränderte gesellschaftliche Anforderungen haben dazu geführt, dass moderne ergotherapeutische Methoden heute vielfältiger und individueller sind als noch vor einigen Jahren.

In diesem Beitrag geben wir Ihnen einen Überblick über einige der aktuellsten Entwicklungen in der Ergotherapie – und was das für Patient*innen, Angehörige und Fachpersonal bedeutet.



Virtual Realitiy

Wenn man an das Wort VR-Brille hört, denkt man vielleicht erstmal an die Gaming-Szene. Doch auch in der Ergotherapie findet sie ihren Einsatz und das hat berechtigte Gründe.

Ein typisches Beispiel:


Viele Parkinson-Betroffene erleben beim Überqueren der Straße plötzliches „Freezing“ – sie bleiben wie blockiert stehen und können nicht weitergehen. In der realen Welt ist das gefährlich, in der Therapie aber schwer gezielt zu üben.

Mit VR kann diese Alltagssituation realitätsnah simuliert, aber vollkommen sicher trainiert werden. So können gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten individuelle Strategien entwickelt und eingeübt werden – etwa gezielte Bewegungsimpulse, visuelle Reize oder mentale Techniken, um das Freezing zu überwinden.

Weitere Vorteile sind:

  • Hohe Motivation durch spielerische Übungen

  • Individuell anpassbar: Schwierigkeit, Tempo und Inhalte

  • Sicheres Üben von herausfordernden Situationen (z. B. bei Ängsten oder ADHS)

  • Gleichzeitiges Training von Motorik, Kognition und Verhalten

Robotiktherapie

Ein mindestens genauso zukunftsweisender Bereich ist der Einsatz von Robotik in der Ergotherapie. Roboterassistierte Systeme unterstützen Patient*innen bei Bewegungsübungen, fördern die Motivation und ermöglichen sehr präzise Wiederholungen von motorischen Abläufe. So finden robotorgestützte Geräte Einsatz bei:

  • Motorischer Rehabilitation  nach Schlaganfall oder Trauma

  • Training von Greif- und Armfunktionen  bei neurologischen Erkrankungen

  • Frühmobilisation  nach Operationen oder Unfällen


Wie funktioniert es?

Wir schauen uns das Ganze am Beispiel AMADEO® genauer an. Dies ist ein roboterassistiertes Therapiegerät, das speziell für die Rehabilitation der Finger- und Handfunktion entwickelt wurde.

  • Zu Beginn werden die Finger der Patientin oder des Patienten an kleine bewegliche Schienen gekoppelt.

  • Während der Therapie sitzt die Patientin oder der Patient vor einem Bildschirm, auf dem interaktive, spielerisch gestaltete Übungen in einer virtuellen Umgebung ablaufen.

    Dabei werden zum Beispiel Äpfel gegriffen, Türen geöffnet oder andere alltagsnahe Bewegungen nachgeahmt.

  • Jeder einzelne Finger wird von kleinen Motoren bewegt – je nach Bedarf sanft passiv oder aktiv unterstützt.

  • Das Gerät misst dabei Beweglichkeit, Kraft und Muskelspannung; Fortschritte sind genau nachvollziehbar.

    Hier zu sehen: Amadeo von tyromotion / Quelle: https://tyromotion.com/produkte/amadeo/
    Hier zu sehen: Amadeo von tyromotion / Quelle: https://tyromotion.com/produkte/amadeo/

Ergotherapeutischer Nutzen:

  • Gezieltes Training einzelner Finger oder der gesamten Hand

  • Sehr hohe Wiederholungszahl, ideal für neurologisches Lernen (Neuroplastizität)

  • Individuell einstellbare Unterstützung – von passiv bis aktiv-assistiv

  • Messung von Kraft, Bewegungsumfang und Tonus zur Therapiekontrolle

  • Förderung von Alltagsfähigkeiten wie Greifen, Halten oder Loslassen

  • Sofortiges Feedback an Patient*innen


Vorteil: Robotik ermöglicht hochfrequentes, sicheres Training mit sofortigem Feedback – besonders hilfreich in der Frühphase der Rehabilitation oder bei schwer betroffenen Patient*innen. Zudem können Therapiefortschritte messbar festgehalten werden

Neurofeedback

Neurofeedback ist eine innovative Methode, bei der das Gehirn mithilfe von computergestütztem Training lernt, seine Aktivität gezielt zu steuern und zu verbessern. Dabei werden Hirnströme (EEG) in Echtzeit gemessen und als Feedback – zum Beispiel in Form von Spielen oder Animationen – zurückgegeben.


Wie funktioniert Neurofeedback?

  • Über kleine Elektroden auf der Kopfhaut wird die Gehirnaktivität sichtbar gemacht.

  • Die Patientin oder der Patient sieht diese Aktivität als visuelles oder akustisches Signal auf einem Bildschirm.

  • Durch gezieltes Training lernt das Gehirn, sich in bestimmten Frequenzbereichen zu beruhigen oder zu aktivieren.

  • So können Symptome wie Unaufmerksamkeit, Konzentrationsprobleme, Stress oder Schlafstörungen verbessert werden.


Für wen ist das geeignet?

Neurofeedback wird vor allem eingesetzt bei:

  • ADHS und Konzentrationsproblemen

  • Angststörungen und Schlafproblemen

  • Migräne oder chronischem Stress

  • nach Schlaganfällen oder Hirnverletzungen


Warum ist Neurofeedback in der Ergotherapie sinnvoll?

  • Es unterstützt die Selbstregulation des Gehirns – ein wichtiger Schritt bei der Rehabilitation.

  • Besonders hilfreich bei neurologischen Erkrankungen wie ADHS, Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder Angststörungen.

  • Fördert Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Entspannung auf natürliche Weise.

  • Ist schmerzfrei, nicht-invasiv und gut kombinierbar mit anderen Therapieverfahren.


Teletherapie

Eine der bedeutendsten Neuerungen ist die Teletherapie. Durch die Pandemie angestoßen, hat sie sich inzwischen in vielen Praxen etabliert. Patient*innen können über gesicherte Videoverbindungen mit ihrer Therapeutin oder ihrem Therapeuten in Kontakt bleiben – sei es zur Beratung, Anleitung oder Durchführung bestimmter Übungen.


Wie funktioniert Teletherapie?

  • Patient*innen und Therapeut*innen treffen sich per Video-Chat

  • Übungen, Spiele und Aufgaben werden digital gezeigt und gemeinsam durchgeführt

  • Therapeut*innen beobachten die Ausführung und geben sofort Feedback

  • Geräte wie Tablets, Computer oder Smartphones reichen aus


Vorteile der Teletherapie:

  • Ortsunabhängigkeit und Zeitersparnis

  • Ideal für immobile oder ländlich wohnende Patient*innen

  • Kombinierbar mit klassischen Praxisterminen (hybrides Modell)

  • Ermöglicht Eltern und Angehörigen stärkere Einbindung in den Therapieprozess

Wichtig: Nicht jede Methode eignet sich für die Teletherapie – eine gute Eignungsprüfung und Aufklärung sind daher sehr wichtig.


Fazit

Methoden in der Ergotherapie eröffnen Möglichkeiten, Menschen individueller, effektiver und nachhaltiger zu unterstützen. Dabei zeigt sich: Der Mensch steht mehr denn je im Mittelpunkt – mit all seinen Stärken, Bedürfnissen und Zielen.

Ob digitale Therapieformen oder moderne Hilfsmittel: Wer als Patient*in oder Therapeut*in offen für Neues ist, kann von der Innovationskraft der Ergotherapie nachhaltig profitieren.


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