top of page

Neurofeedback & Biofeedback in der Ergotherapie

  • Autorenbild: ASa
    ASa
  • 16. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Ein Einblick aus dem Standort Crailsheim Jagstbrückenhochhaus


Im Rahmen eines Besuchs am Standort Crailsheim Jagstbrückenhochhaus haben wir uns mit Sabrina Conrad, Ergotherapeutin und Standortleitung sowie Direktorin für die fachliche Weiterentwicklung in der Ergotherapie getroffen. Wir haben über Neurofeedback und Biofeedback gesprochen. Beide Verfahren gewinnen zunehmend an Bedeutung in der ergotherapeutischen Praxis – insbesondere bei neurologischen und stressassoziierten Herausforderungen.


Sabrina Conrad, Direktorin der Fachleitungen
Sabrina Conrad, Direktorin der Fachleitungen

Im Interview erklärt sie, was hinter den Methoden steckt, für wen sie geeignet sind und wie eine Behandlung abläuft.


„Viele Patient*innen spüren: Irgendetwas ist aus dem Gleichgewicht geraten.“


Frage: Sabrina, Neurofeedback und Biofeedback – das klingt erstmal technisch. Was genau verbirgt sich dahinter?


Sabrina Conrad: Das stimmt, die Begriffe wirken auf den ersten Blick sehr technisch.


Im Kern geht es aber um etwas sehr Grundlegendes: die eigene Körper- und Selbstwahrnehmung zu verbessern.


Beim Biofeedback werden körperliche Prozesse sichtbar gemacht, die normalerweise unbewusst ablaufen – zum Beispiel Muskelspannung, Atmung oder Hautleitfähigkeit.

Patient*innen sehen diese Werte in Echtzeit auf einem Bildschirm und lernen Schritt für Schritt, sie gezielt zu beeinflussen.

Neurofeedback ist eine spezielle Form davon. Hier schauen wir uns die Aktivität des Gehirns an – also die Hirnströme – und geben darüber Rückmeldung. Ziel ist es, bestimmte Aktivitätsmuster besser wahrzunehmen und regulieren zu lernen.


„Es geht nicht um ‚richtig' oder ‚falsch' – sondern ums Erfahren, Erleben und schrittweise Regulieren.“


Frage: Was passiert konkret in einer Therapieeinheit?


Sabrina Conrad: Zunächst führen wir eine ausführliche ergotherapeutische Befunderhebung durch, die durch eine standardisierte Neurofeedbackmessung bzw. eine individuelle Biofeedbackmessung ergänzt wird. Uns interessiert: Welche Beschwerden liegen vor? In welchen Alltagssituationen zeigen sie sich? Und welche Ziele hat die Person selbst?


In der eigentlichen Anwendung werden dann Sensoren angebracht – beim Neurofeedback zum Beispiel am Kopf, beim Biofeedback eher an Muskeln oder Fingern. Diese messen bestimmte Körperreaktionen.


Die Patient*innen bekommen die Rückmeldung visuell – etwa über ein kleines Spiel oder eine Animation – oder auch auditiv. Wenn sich bestimmte Werte verändern, reagiert das System darauf. So entsteht ein Lernprozess.


Wichtig ist: Es geht zunächst ums Erfahren und Erleben – ein Gefühl für den eigenen Zustand zu entwickeln. Darauf aufbauend können dann neue Regulationsmöglichkeiten ausprobiert werden.


ZM Spezialistin Sabrina Conrad erklärt Neurofeedback im Zentrum Mensch

„Wir setzen es ergänzend und individuell abgestimmt ein.“


Frage: Für wen kann Neurofeedback oder Biofeedback sinnvoll sein?


Sabrina Conrad: Wir setzen beide Verfahren bei unterschiedlichen Indikationen ein – immer eingebettet in ein ergotherapeutisches Gesamtkonzept oder als Ergänzung anderer Fachbereiche wie Physiotherapie oder Logopädie.


Dazu gehören zum Beispiel:

  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme

  • Stressbedingte Beschwerden oder Erschöpfungszustände

  • Neurologische Erkrankungen – zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder bei Fazialisparese

  • Chronische Schmerzen

  • Probleme mit der Anspannungsregulation


Wichtig ist: Neurofeedback und Biofeedback sind keine isolierten Maßnahmen. Sie werden immer individuell abgestimmt und mit anderen (ergo-) therapeutischen Ansätzen kombiniert.


„Die Veränderung passiert nicht im Gerät –

sondern im Alltag.“


Frage: Was können Patient*innen realistisch erwarten?


Sabrina Conrad: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Es geht nicht darum, dass ein Gerät etwas „behandelt". Wir unterstützen einen Lernprozess.


Patient*innen können lernen, ihre eigenen Reaktionen besser wahrzunehmen – zum Beispiel Anspannung, Unruhe oder Konzentrationsschwierigkeiten. Und sie können Strategien entwickeln, um damit umzugehen.


Ob und wie stark sich das im Alltag bemerkbar macht, ist sehr individuell. Wir erheben das regelmäßig über Beobachtungsbögen – zum Beispiel: Veränderungen in der Konzentration, im Schmerzgrad oder in der Häufigkeit von Schmerzen. So bleiben wir nah an den persönlichen Zielen.


„Verstehen schafft Orientierung –

und oft auch Entlastung.“


Frage: Was ist aus deiner Sicht das Besondere an diesen Verfahren?


Sabrina Conrad: Viele Menschen erleben es als hilfreich, ihre körperlichen oder neuronalen Reaktionen einmal sichtbar zu sehen. Das schafft Verständnis: Ah, so reagiert mein Körper gerade.

Allein dieses Verstehen kann schon entlastend sein. Und darauf bauen wir dann gemeinsam auf – Schritt für Schritt, immer orientiert an den individuellen Möglichkeiten und Zielen.


Zertifizierung & Qualität

Neurofeedbacktherapeut*in ist kein geschützter Begriff.

Sabrina Conrad verfügt über ein entsprechendes Zertifikat und ist sowohl bei der Neurofeedbackakademie als auch bei der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback gelistet – zwei anerkannten Fachgesellschaften im deutschsprachigen Raum.


Wie läuft die Abrechnung?

Neurofeedback und Biofeedback können im ZM im Rahmen einer ärztlichen Verordnung zur Ergotherapie – über gesetzliche oder private Krankenversicherung – oder als Selbstzahlerleistung erbracht werden. Wir klären das gerne gemeinsam mit Ihnen.


Fazit

Neurofeedback und Biofeedback sind moderne, technologiegestützte Verfahren innerhalb der Ergotherapie. Sie können dabei unterstützen, die eigene Wahrnehmung zu schärfen und neue Wege im Umgang mit Belastungen zu entwickeln.


Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Technik, sondern der Mensch – mit seinen individuellen Erfahrungen, Ressourcen und Zielen im Alltag.


Neugierig geworden?


Wenn Sie sich fragen, ob Neurofeedback oder Biofeedback zu Ihrer aktuellen Situation passen könnte – sprechen Sie uns einfach an. Wir vereinbaren gerne einen Termin und schauen gemeinsam, welche Möglichkeiten es für Sie gibt.

bottom of page