Stimmstörungen behandeln: Von der Akzentmethode bis zur Alexander-Technik
- ASa

- 2. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Logopädie – gezielte Therapie für eine belastbare, gesunde Stimme

Unsere Stimme ist ein sensibles Zusammenspiel aus Atmung, Muskelspannung, Haltung und Wahrnehmung. Gerät dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht, können Stimmstörungen (Dysphonien) entstehen. Betroffene berichten häufig über Heiserkeit, schnelle Ermüdung der Stimme, Druck- oder Kloßgefühl im Hals oder eingeschränkte Belastbarkeit – besonders bei Sprechen im Beruf, im Alltag oder beim Singen.
In der Logopädie kommen verschiedene bewährte Therapieansätze zum Einsatz. Drei davon – Akzentmethode, Schlaffhorst-Andersen und Alexander-Technik – stellen wir Ihnen hier näher vor.
Die Akzentmethode:
Stimme über Rhythmus und Atmung stabilisieren
Die Akzentmethode wurde von dem dänischen Stimmforscher Svend Smith entwickelt. Sie basiert auf der Idee, dass eine ökonomische Stimmgebung nur dann möglich ist, wenn Atmung, Stimme und Bewegung rhythmisch aufeinander abgestimmt sind.
Im Mittelpunkt stehen:
rhythmische Körperbewegungen
eine aktive, schwingende Ausatmung
der sogenannte „Stimmakzent“ (Impulsgebung in der Stimme)
Durch diese Kombination wird die Kehlkopfmuskulatur entlastet, der Atemfluss verbessert und die Stimme erhält mehr Tragfähigkeit bei geringerem Kraftaufwand.
Studienlage:
Mehrere Untersuchungen zeigen, dass die Akzentmethode insbesondere bei funktionellen Stimmstörungen zu einer Verbesserung der Stimmqualität, Reduktion von Heiserkeit und erhöhter Stimmökonomie führen kann.– u. a. in: Kotby et al., Journal of Voice, 1991– sowie Übersichtsarbeiten zur funktionellen Stimmtherapie (Logopedics Phoniatrics Vocology)
Schlaffhorst-Andersen:
Atem, Bewegung und Stimme als Einheit
Die Schlaffhorst-Andersen-Methode ist ein ganzheitlicher Ansatz, der den Menschen nicht nur auf seine Stimme reduziert. Ziel ist es, natürliche Bewegungs- und Atemmuster wiederzufinden und Spannungen im gesamten Körper zu regulieren.
Therapeutisch gearbeitet wird u. a. mit:
bewusster Atemführung
rhythmischen Bewegungsfolgen
Wahrnehmung von Körperspannung und -entspannung
Koordination von Stimme, Sprache und Bewegung
Gerade bei Menschen, deren Stimmprobleme durch Stress, Fehlspannung oder hohe berufliche Belastung entstanden sind, kann dieser Ansatz sehr wirksam sein.
Wissenschaftlicher Hintergrund:
Studien und klinische Beobachtungen zeigen, dass ganzheitliche Atem- und Bewegungsansätze die Stimmfunktion positiv beeinflussen und insbesondere bei funktionellen Dysphonien eine nachhaltige Verbesserung ermöglichen.(vgl. u. a. Rosenthal, Atem – Stimme – Bewegung, sowie Beiträge in Folia Phoniatrica et Logopaedica)
Alexander-Technik:
Fehlspannungen erkennen und lösen
Die Alexander-Technik ist ursprünglich keine klassische Stimmtherapie, wird aber in der Logopädie gezielt ergänzend eingesetzt – insbesondere bei Menschen mit chronischen Stimmproblemen.
Im Fokus steht das Erkennen und Verändern von ungünstigen Bewegungs- und Haltungsgewohnheiten, die häufig unbewusst entstehen, z. B.:
Hochziehen der Schultern beim Sprechen
übermäßige Spannung im Nacken- und Kieferbereich
starre Körperhaltung bei hoher Konzentration
Durch bewusste Anleitung lernen Patient*innen, diese Muster zu lösen – was zu einer freieren Atmung und geringerer Belastung der Stimme führen kann.
Studienlage:
Eine randomisierte kontrollierte Studie im British Medical Journal (BMJ, 2008) zeigte, dass die Alexander-Technik bei funktionellen Beschwerden zu einer signifikanten Verbesserung von Körperkoordination und Belastbarkeit führen kann. Diese Effekte werden in der Stimmtherapie genutzt, um die Grundlage für eine gesunde Stimmfunktion zu schaffen.
Welche Methode ist die richtige?
In der logopädischen Praxis gilt:
Nicht jede Methode passt zu jeder Person.Entscheidend sind unter anderem:
Art der Stimmstörung (funktionell, organisch, psychogen)
berufliche Anforderungen (z. B. Lehrerinnen, Erzieherinnen, Sänger*innen)
individuelle Körper- und Atemmuster
Häufig werden die beschriebenen Ansätze kombiniert, um eine möglichst nachhaltige Verbesserung zu erreichen.
Logopädie an unseren Standorten
Unsere logopädischen Teams begleiten Patient*innen mit Stimmstörungen individuell, evidenzbasiert und alltagsnah.
An unseren Logopädie-Standorten nehmen wir uns Zeit für eine ausführliche Diagnostik und entwickeln gemeinsam mit Ihnen einen passenden Therapieplan.
Wenn Ihre Stimme schnell ermüdet, sich heiser anfühlt oder Sie das Gefühl haben, „gegen Ihre Stimme anzusprechen“, kann eine logopädische Abklärung sinnvoll sein.
Logopädie wird für Erwachsene im Zentrum Mensch zum Beispiel an folgenden Standorten angeboten:
Wenn Sie einen Termin vereinbaren möchten oder Fragen haben, können Sie die zentrale Nummer in Ilshofen kontaktieren: 07951 / 4832-111 oder eine E-Mail an info@im-zm.de schreiben.
Wissenschaftliche Grundlagen & Nachweise
Die Methode wurde in jahrzehntelanger interdisziplinärer Forschung von Prof. Dr. Svend Smith, Dr. Kirsten Thyme-Frøkjær und Prof. Dr. Børge Frøkjær-Jensen entwickelt. Sie stützt sich auf Erkenntnisse aus Phonetik, Akustik, Linguistik und Physiologie. Die evidenzbasierten Ergebnisse sind in zahlreichen Fachpublikationen dokumentiert: [1, 2]
Grundlagen der Akzentmethode: Umfassende theoretische und praktische Beschreibungen finden sich im Standardwerk von K. Thyme-Frøkjær und B. Frøkjær-Jensen (Die Akzentmethode, Schulz-Kirchner Verlag). [1, 2, 3, 4]
Praxisbezug: Einen detaillierten Einblick in die Anwendung von Rhythmus, Atmung und Stimmsequenzen bietet das Kapitel zur Akzentmethode in Praxis der Stimmtherapie. [1, 2]
Evidenzbasierte Studien (EbM): Systematische Untersuchungen zur Wirksamkeit (insbesondere bei Dysphonien) wurden unter anderem von Prof. Dr. Karl-Heinz Stier durchgeführt. Eine Erörterung der Wirksamkeit sowie Studien zur Prävention finden sich in der wissenschaftlichen Zusammenfassung Akzentmethode und Evidence-based Medicine. [1, 2]
Hauptprinzipien der Stabilisierung
Zwerchfellatmung: Fokus auf eine physiologische Abdominalatmung, die durch rhythmische Körperbewegungen (Schwingen, Gestik) unterstützt wird. [1, 2]
Belüftete Phonation: Die koordinierte Ausatmung erzeugt einen gleichmäßigen Luftstrom, der die Stimmlippen schont, gleichzeitig aber optimal massiert und trainiert. [1]
Rhythmus & Akzentuierung: Durch die Arbeit mit Sprachrhythmen (z. B. fließend oder betont) wird die Prosodie verbessert und das Sprechtempo normalisiert. [1, 2]
Weiterführende Literatur & Leitlinien
Die Methodik wird flächendeckend empfohlen und ist in offiziellen medizinischen Leitlinien verankert. Weitere Einblicke liefern:
Stimmstörungen (Voigt-Zimmermann et al. - OAPEN Library): Ein Open-Access-Fachbuch, das die physiologischen Ziele der Akzentmethode detailliert beleuchtet. [1]
AWMF Leitlinienregister: Die deutsche Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Stimmstörungen, welche konservative, stimmfunktionelle Verfahren (wie die Akzentmethode) fundiert bewertet. [1]


