Was Sie über Arthrose wissen sollten
Ein Beitrag von ZM Spezialist Daniel Rösch
Was ist Arthrose?
Rund um Arthrose gibt es viele Mythen. Häufig wird sie als „Gelenkverschleiß" bezeichnet, oder es wird angenommen, dass Bewegung die Gelenke weiter schädigt. Beides entspricht nur teilweise dem heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Genau diesen Fragen widmen wir uns in diesem Beitrag: den Ursachen, den Risikofaktoren und vor allem der Frage, was Sie tun können, wenn Sie die Diagnose Arthrose erhalten.
Zunächst lohnt sich ein Blick auf das Krankheitsbild selbst. Arthrose ist gekennzeichnet durch eine degenerative Veränderung der Gelenke - unter anderem durch einen fortschreitenden Verlust von Knorpelsubstanz und anderen Gelenkstrukturen.

Dabei verändert sich das gesamte Gelenk im Laufe der Zeit: Der Knorpel kann dünner werden, aber auch Knochen, Gelenkkapsel und Gelenkschleimhaut verändern sich. Der Gelenkknorpel ist eine der wichtigen Strukturen für einen reibungslosen Bewegungsablauf. Baut er sich ab, kann das zu Belastungs- und Bewegungseinschränkungen führen und nicht selten ein Entzündungsverhalten auslösen, das bei Betroffenen Schmerzen erzeugen kann.
Eine entscheidende Rolle für die Gesundheit des Gelenks spielt die Gelenkschleimhaut. Sie produziert die Gelenkflüssigkeit und kann bei Arthrose entzündliche Prozesse entwickeln (Synovitis), die Schmerzen wesentlich beeinflussen.
Arthrose gilt durch ihren progressiven Verlauf als „chronische Erkrankung", vergleichbar mit Bluthochdruck oder Diabetes. Das Ausmaß der Schmerzen hängt dabei nicht allein vom Knorpelschaden ab: Entzündungen, die Gelenkschleimhaut, Muskeln, das Nervensystem sowie psychische und soziale Faktoren beeinflussen das Schmerzempfinden ebenfalls.
Doch Achtung: Umgangssprachlich wird Arthrose oft mit „Gelenkverschleiß" gleichgesetzt. Diese Beschreibung suggeriert das Bild eines Gelenks, das bei Belastung noch mehr verschleißt und birgt damit Risiken für den Umgang mit der Erkrankung. Da Arthrose weltweit die häufigste Gelenkerkrankung bei Erwachsenen ist, ist gerade hier Klarheit wichtig.

Use it or lose it
Die Vorstellung vom „verschlissenen Gelenk" ist irreführend. Sie legt nahe, dass ein vermeintlich abgenutztes Gelenk bei Belastung noch mehr verschleißt, ähnlich wie ein Bremsbelag an einer Bremsscheibe. Das Gegenteil ist der Fall: Gelenkknorpel ist auf regelmäßige Belastung angewiesen. Bleibt diese langfristig aus, kann sich die Belastbarkeit des Knorpels verschlechtern. Moderate Läuferinnen und Läufer leiden Studien zufolge sogar seltener unter Kniegelenksarthrose als Menschen, die nicht laufen.
Für die meisten Menschen mit Arthrose gilt: Joggen ist grundsätzlich möglich und wird von aktuellen Studien nicht per se als schädlich eingestuft.
Es zeigt sich sogar, dass Menschen, die trotz sichtbarer Gelenkveränderungen im Röntgenbild joggen, tendenziell weniger Schmerzen berichten als Nicht-Läufer. Ob Joggen im Einzelfall geeignet ist, sollte jedoch individuell abgeklärt werden, z.B. mit einer Therapeutin oder einem Arzt. Bewegung und Belastung sind grundsätzlich wichtig für unsere Gelenke: Sie verbessern den Stoffwechsel des Gelenkknorpels und unterstützen seine Versorgung über die Gelenkflüssigkeit.
Das bedeutet nicht, in extreme Belastungen zu gehen, sondern moderates bis intensives Training zu wählen – etwa Joggen, Walking, Krafttraining oder Spazierengehen. Die Dosis macht das Gift.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen der Arthrose sind vielfältig und umfassen sowohl mechanische als auch biologische Faktoren. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Alter, Übergewicht, Verletzungshistorie, Genetik und Fehlstellungen. Auch systemisch-chronisch entzündliche Stoffwechselsituationen wirken sich entzündungsfördernd auf die Gelenke aus. Klinisch zeigen sich häufig eine Deformation des Gelenks, Instabilität und Kontrakturen, also Verkürzungen von Muskeln und Sehnen.
Das hat Auswirkungen auf den Alltag: Patientinnen und Patienten, die zu uns in die Praxis kommen, berichten häufig von Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten wie Gehen, Treppensteigen oder Anziehen. Dabei besteht eine Wechselwirkung zwischen äußeren Umweltfaktoren, der biologischen Situation und dem sozialen Umfeld. Fällt zum Beispiel das Fußballtraining weg, weil danach regelmäßig Schmerzen auftreten, wirkt sich das auch auf das soziale Umfeld aus und kann psychisch belasten.
Alter ist kein Makel - sondern Leben
Alter ist, wie erwähnt, ein Risikofaktor für Arthrose. Ähnlich wie graue Haare gehört das zum natürlichen Älterwerden – auch unsere Gelenke altern mit uns. Das bedeutet aber nicht, dass das Ausmaß der sichtbaren Gelenkveränderungen automatisch über Schmerzen und Funktionseinschränkung entscheidet. Viele Menschen haben im Röntgenbild Arthrose, ohne jemals Schmerzen zu entwickeln.
Auf die übrigen Risikofaktoren können wir durchaus Einfluss nehmen. Studien zeigen: Bewegungstherapie mit dem passenden Mindset und eine Gewichtsreduktion gehören zu den Kernempfehlungen im Umgang mit Arthrose.
Bewegungstherapie zählt laut aktuellen Leitlinien (siehe Quellen) zu den wirksamsten nicht-operativen Maßnahmen bei Arthrose – mit nachgewiesenen positiven Effekten auf Schmerzen und Funktion. Studien zeigen, dass sich Arthrosesymptome durch gezielte Bewegung und begleitende Maßnahmen häufig positiv beeinflussen lassen.
Das entspricht dem wissenschaftlichen Verständnis von Ganzheitlichkeit.
Arthrose endet demzufolge auch nicht automatisch in einem Gelenkersatz.
Studien deuten darauf hin, dass Bewegung, Gewichtsreduktion und gutes Symptommanagement bei einem Teil der Betroffenen den Zeitpunkt eines Gelenkersatzes hinauszögern können.

Wie wir Sie unterstützen können
Wenn Sie mit einer Arthrose-Diagnose leben oder unsicher sind, wie viel Bewegung für Sie richtig ist: Unsere Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten am Zentrum Mensch beraten Sie zu individuell angepasstem Training und begleiten Sie beim schrittweisen Aufbau von Bewegung und Kraft. Gemeinsam schauen wir, welche Form von Aktivität zu Ihrem Gelenk und Ihrem Alltag passt.
Vereinbaren Sie gerne einen Termin - wir beraten Sie individuell.
Quellen:
Osteoarthritis Research Society International. OARSI Guidelines for the Non-Surgical Management of Knee, Hip, and Polyarticular Osteoarthritis (2019, mit späteren Aktualisierungen). National Institute for Health and Care Excellence.
Osteoarthritis in over 16s: diagnosis and management (NG226) (2022). American College of Rheumatology / Arthritis Foundation. Guideline for the Management of Osteoarthritis (2019).
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie / AWMF. S3-Leitlinie Gonarthrose (aktuelle Version). Roos et al. Übersichtsarbeiten zu Bewegungstherapie bei Arthrose. Guermazi et al. zum Zusammenhang zwischen radiologischer Arthrose und Schmerzempfinden.




