Ergotherapie nach einem Schlaganfall und bei Parkinson: Wie wir helfen können
Ein Schlaganfall verändert das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen oft von einer Sekunde auf die nächste. Bewegung, Sprache, Wahrnehmung oder alltägliche Fähigkeiten können eingeschränkt sein – manchmal leicht, manchmal schwer. Doch mit der richtigen Unterstützung lässt sich vieles zurückgewinnen. Ergotherapie zählt dabei zu den wichtigsten Bausteinen der Rehabilitation.

In diesem Artikel zeigen wir, wie Ergotherapie Menschen nach einem Schlaganfall unterstützt, welche therapeutischen Ansätze eingesetzt werden und welche Fortschritte möglich sind.
Zudem geben wir einen kurzen Überblick, wie Ergotherapie auch bei Erkrankungen wie Parkinson helfen kann. Wichtig ist, dass dieser Artikel nur einen Auszug der Methoden zeigt und nicht auf Vollständigkeit beruht.
Ergotherapie nach einem Schlaganfall
Ein Schlaganfall kann Motorik, Wahrnehmung, Sensibilität, Kognition und Orientierung massiv beeinträchtigen. Die Therapie beginnt möglichst früh und begleitet Betroffene oft über Monate oder Jahre. Ziele der Behandlung
Verbesserung der Arm- und Handfunktion
Förderung der Körperwahrnehmung
Wiederaufbau von Alltagskompetenzen
Reduktion von Spastik
Kompensation bleibender Defizite
Training von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Orientierung
Motorisches Training / Arm-Hand-Rehabilitation
Constraint-Induced Movement Therapy (CIMT)
Der nicht betroffene Arm wird zeitweise eingeschränkt.
Intensives Training zwingt das Gehirn, die betroffene Seite wieder zu aktivieren.
Förderung der Willkürmotorik und des funktionellen Armgebrauchs.
Propriozeptives Training Propriozeption bedeutet Tiefensensibilität – also die Fähigkeit unseres Körpers, die Position, Bewegung und Spannung der einzelnen Körperteile wahrzunehmen, ohne hinsehen zu müssen. Nach einem Schlaganfall kann die Propriozeption gestört sein, sodass Bewegungen ungenau oder unsicher wirken. Inhalte des Training:

Gelenkkompression
Sanfter Druck auf Gelenke aktiviert die Tiefensensibilität -> stabilere Bewegungen, bessere Muskelaktivierung.
Leichter Widerstand
Training mit Theraband, Gewichten oder manueller Unterstützung -> Verbesserung der Kraftdosierung und Bewegungssteuerung.
Übungen in geschlossenen Ketten
Hände oder Füße bleiben fixiert (z. B. Aufstützen auf Tisch oder Wand) -> fördert Stabilität und kontrollierte Bewegungen.
Material- und Tastsinntraining
Einsatz verschiedener Materialien wie Bälle, Knete, Bürsten -> zusätzliche Reize für bessere Körperwahrnehmung.
Koordinations- und Gleichgewichtsübungen
Gewichtsverlagerungen, Balance-Pads, gezielte Arm-/Beinbewegungen -> Verbesserung von Balance und Bewegungsgenauigkeit.
Funktionelles Alltagstraining
Greifen, Tragen, Sortieren, Anziehen, Haushaltsaufgaben -> direkte Übertragung in den Alltag.
Task-oriented Training
Beim Task-oriented Training werden Bewegungen direkt in echten Alltagsaufgaben geübt. Statt isolierte Bewegungen zu trainieren, führt der Patient zielgerichtete, funktionale Tätigkeiten aus, z. B.:
Greifen und Platzieren von Gegenständen
Tasse heben und abstellen
Schneiden, Schreiben, Sortieren
Knöpfen, Reißverschluss schließen
Spiegeltherapie

Wirkprinzip:
Der Spiegel zeigt das bewegte gesunde Körperteil so, als wäre es die betroffene Seite.
-> Das Gehirn interpretiert diese Täuschung als Bewegung der gelähmten Seite -> Aktivierung geschädigter Hirnareale.
Anwendung:
Bewegungen mit der gesunden Hand vor dem Spiegel
Bilaterale Übungen
Feinmotorische Übungen wie Greifen, Drehen, Schreiben
Bobath-Therapie: Das Bobath-Konzept ist ein weltweit etabliertes neurophysiologisches Behandlungssystem für Menschen mit zentralneurologischen Schädigungen.
Behandlungsprinzipien
Verbesserung von Bewegungskontrolle, Gleichgewicht und Haltung
Tonusregulation: Spastik reduzieren, schwache Muskeln aktivieren
Etablierung funktioneller Bewegungen (Greifen, Stehen, Gehen, Transfers)
Nutzung der Neuroplastizität
Alltagsorientiertes, individuelles Training
Frühzeitige Integration der betroffenen Körperseite (z. B. bei Hemiparesen, also einer halbseitigen Lähmung)
Typische Bobath-Übungen:
Handling- und Lagerungstechniken
Training symmetrischer Bewegungen
Übungen für Arm-, Rumpf- und Beinaktivität
Positionswechsel, Bettmobilität, Aufstehen
Üben von ADL: Essen, Waschen, Haushaltsführung
Sensibilitätstraining
Sensible Störungen sind nach Schlaganfall häufig. Die Ergotherapie arbeitet systematisch daran, Reize wieder wahrzunehmen und zu unterscheiden.

Methoden:
Thermische Reize: warm/kalt
Taktile Reize: Bürsten, verschiedene Materialien, Vibration
Differenzierungstraining: weich/hart, rau/glatt, leicht/schwer
Lokalisations- und Diskriminationstraining
Ziel: Eine sichere, qualitativ gute Bewegung wird erst durch gute Sensibilität möglich.
Behandlung visueller und räumlicher Wahrnehmungsstörungen
(= neglect)
Ein Neglect ist eine schwere Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsstörung. Betroffene ignorieren eine Raum- oder Körperseite (meist links). Die Ergotherapie ist oft der zentrale therapeutische Ansatz, weil sie Wahrnehmung funktionsorientiert wieder trainiert und Kompensation fördert.
Explorationstraining:
Gezieltes Üben des Blicküberstreifens nach links/rechts
Markierungen am Rand eines Buches oder Arbeitsblatts
Systematische Arbeitsstrategien, z. B. “von links nach rechts abscannen”
Nutzung von Blickwinkeln und Fixationspunkten
Üben mit realen Objekten (Teller, Kleiderschrank, Spiegel)
Transfer in den Alltag
Zeitungslesen: Linien und Startpunkte markieren
Zähneputzen: Spiegeltraining mit bewusster Blickführung
Einkaufen: Regale scannen (bspw. von links nach rechts)
Spiegeltherapie:
Wie bei der motorischen Rehabilitation wirkt der Spiegel auch hier als Aufmerksamkeitsverstärker.
Anwendung:
Arm-/Handbewegungen (bspw. Faust machen, den Tisch abwischen)
Feinmotorikübungen (bspw. Münzen stapeln)
Kognitives Training

Stärkung der mentalen Fähigkeiten druch:
Aufmerksamkeit und Konzentration
Kurz- und Langzeitgedächtnis
Problemlösung und Planung
Dual-Task-Training (z. B. Gehen und gleichzeitig eine Aufgabe lösen)
Alltagsorientiertes Training / ADL
Das Alltagsorientierte Training ist ein zentraler Bestandteil der Ergotherapie nach Schlaganfall.
Das Ziel ist, die Selbstständigkeit im täglichen Leben wiederherzustellen und die erlernten motorischen und kognitiven Fähigkeiten in alltäglichen Situationen anzuwenden.

Beispiele für ADL-Übungen
Anziehen / Ausziehen: bewusste Nutzung beider Seiten, Bewegungsplanung
Essen und Trinken: Greifen, Halten, Koordination
Körperpflege: Waschen, Zähneputzen, Haare kämmen
Mobilität: Treppensteigen, Transfers, Orientierung im Raum
Haushaltsaktivitäten: Tisch decken, Wäsche falten, Einkaufen
Hilfsmittelgebrauch: Besteckanpassungen, Greifhilfen, Rollatoren, um Bewegungen zu erleichtern und Sicherheit zu geben
Beratung & Umfeldanpassung
Wohnraumanpassung (Haltegriffe, Rampen, Sturzprophylaxe wie Teppiche entfernen)
Positionierung von Lichtquellen
Anleitung von Angehörigen
Strategien für Alltag, Pflege und Kommunikation
Ergotherapie bei Parkinson
Parkinson führt zu Bewegungsverlangsamung, Steifigkeit und motorischen Blockaden – aber auch zu Einschränkungen in Kognition, Stimmung und Alltagskompetenz. Ergotherapie unterstützt Betroffene dabei, ihren Alltag möglichst selbstständig zu gestalten. Ziele der Ergotherapie bei Parkinson
Förderung flüssiger und funktioneller Bewegungen
Verbesserung von Feinmotorik und Handgeschicklichkeit
Strukturierung und Organisation des Alltags
Reduktion von Sturzrisiken
Unterstützung von Selbstständigkeit und Lebensqualität
Bewegungsförderung und Mobilität
Ziel: Bewegungsabläufe wieder flüssiger und sicherer gestalten.
Typische Maßnahmen:
Techniktraining für funktionelle Bewegungen:
Aufstehen aus dem Stuhl oder Bett: Schritt-für-Schritt-Anleitung, richtige Gewichtsverlagerung, Einsatz der Arme zur Stabilisation
Ankleiden: Strategie entwickeln, um Hemden, Hosen oder Schuhe trotz Muskelsteifigkeit sicher anzuziehen
Umschichten und Drehen im Bett: Koordination von Armen, Beinen und Rumpf trainieren, um Blockaden zu vermeiden
Förderung flüssiger Bewegungsabläufe: Parkinson führt häufig zu kleinen, langsamen und abgehackten Bewegungen. Ergotherapie hilft, Bewegungsabläufe bewusst zu steuern und zu vergrößern:
Gehtraining: kontrollierte Schritte, gleichmäßiger Armschwung, bewusstes Abrollen des Fußes
Schrittweiten-Übungen: größere Schritte trainieren, um das typische kleine Schlurf-Gangbild zu verringern
Dynamische Bewegungen: z. B. Drehen oder Richtungswechsel, um Alltagssituationen zu simulieren
Strategien gegen Freezing: “Freezing” bezeichnet plötzliche Bewegungsblockaden, besonders beim Gehen. Ergotherapie bietet verschiedene Hilfsmittel und Techniken:
Rhythmische Hilfsmittel: Musik oder Metronom, um Schritte im Takt auszuführen
Visuelle Marker: Linien oder Markierungen auf dem Boden, um Schritte zu initiieren
Geh-Hilfsmittel: Gehstöcke oder Rollatoren gezielt einsetzen
Mentale Strategien: Blickführung, mentale Vorankündigung der nächsten Schritte
Ziel: Freezing verhindern, Selbstvertrauen beim Gehen erhöhen, Sturzrisiko reduzieren.
Rumpf- und Gleichgewichtstraining:
Ein stabiler Rumpf ist die Grundlage für alle Bewegungen. Parkinson-Patienten neigen zu Haltungsinstabilität, was die Sturzgefahr begünstigt.
Sitz- und Standübungen: Rumpfkräftigung, Gewichtsverlagerung, Stabilisation
Gleichgewichts-/Koordinationstraining: gezielte Übungen für Gleichgewicht, z. B. auf einem Balance-Pad oder einem Bein
Dynamisches Training: Rotation, Beugen, Strecken – alltagsnahe Bewegungen üben
LSVT®-BIG-Therapie Die BIG-Therapie ist speziell für Parkinson entwickelt und fokussiert auf große, bewusste Bewegungen:
große Schritte
weite Armbewegungen
dynamische Drehungen des Oberkörpers
Diese Übungen werden oft mit Alltagsbezug kombiniert, z. B. Greifen nach Gegenständen, Schritte über Hindernisse, reichen und heben von Alltagsgegenständen

Feinmotorik und Handgeschicklichkeit
Parkinson erschwert die Feinmotorik, weil Hände und Finger langsamer, steifer oder zitternd werden, was präzise Bewegungen wie Schreiben, Knöpfen oder Greifen erschwert. Ergotherapie trainiert gezielt Fingerkoordination und Greifkraft, um Alltagshandlungen wieder leichter auszuführen.
Typische Übungen:
Schreiben, Knöpfen oder Besteck benutzen
Münzen greifen, Stifte halten
Kneten, kleine Gegenstände sortieren
Spiele und Übungen, die Fingerbewegungen trainieren
Alltagssorientiertes Training
(= ADL)
Um den Alltag so weit wie möglich wieder bzw. weiterhin selbstständig zu meistern, kommen folgende Methoden zum Einsatz:
Anziehen und Ausziehen: Strategien entwickeln, um Hemden, Hosen oder Schuhe trotz steifer Muskeln selbstständig anzuziehen
Essen und Trinken: Besteck sicher halten, Teller greifen, Flüssigkeit einschenken, trinken und essen
Körperpflege: Zähneputzen, Haare kämmen oder Waschen, ggf. mit Hilfsmitteln unterstützt
Kochen und Haushaltsarbeiten: Rühren, Schneiden, Tisch decken oder Wäsche falten
Hilfsmittel einsetzen: Griffhilfen, Besteckanpassungen oder rutschfeste Unterlagen zur Erleichterung der Aufgaben

Sturzprophylaxe
Maßnahmen:
Gleichgewicht und Rumpfstabilität trainieren
Gehen auf unebenem Boden, Treppen und Richtungswechsel üben
Hindernisse erkennen und ausweichen
Hilfsmittel wie Gehstock oder Rollator nutzen
Wohnung anpassen: Haltegriffe, rutschfeste Flächen
Ziel: Bewegungen sicherer machen, Stürze vermeiden und Selbstständigkeit erhalten.
Fazit
Ergotherapie begleitet Sie nicht nur während der Behandlung in der Praxis – sie wirkt vor allem dort, wo Ihr Alltag stattfindet: zu Hause. Mit einfachen Übungen, bewusst gesteuerten Bewegungen und kleinen Anpassungen im Wohnumfeld können Sie selbst aktiv dazu beitragen, Ihren Alltag sicherer, leichter und selbstständiger zu gestalten. Jede regelmäßige Übung, jede bewusste Bewegung und jeder gut vorbereitete Tagesablauf unterstützt Sie dabei, trotz Parkinson möglichst selbstbestimmt zu bleiben.
Unser Angebot
Unsere Ergotherapeut*innen stehen Ihnen bei allen Fragen rund um Bewegung, Alltag, Sicherheit und Hilfsmittel gerne zur Seite. Wir geben Ihnen praktische Tipps für zu Hause, unterstützen Sie bei Übungen, die Sie selbstständig durchführen können, und beraten Sie bei der Auswahl sinnvoller Hilfsmittel.
Quellen:
Bobath-Konzept - Definition, Ziele, Ablauf und Tipps Neglect (Hemineglect) - Diagnose, Ursachen, Behandlung, Prognose Ergotherapie bei Parkinson: Ihr Weg zu mehr Beweglichkeit und Lebensqualität im Alltag - Ergo Netz 030-010p_Parkinson_Krankheit_2025-01.pdf Komm’ in die Gänge – 7 Strategien zur Gangverbesserung bei Parkinson - DocCheck Sporttherapie bei Parkinson - Paracelsus-Kliniken
Der Blogbeitrag wurde unter Einsatz eines KI-gestützten Sprachmodells (Claude) zur sprachlichen Optimierung und Strukturierung erstellt. Alle generierten Inhalte wurden von der Redaktion kritisch geprüft, angepasst und verantwortet.




