top of page

Ergotherapie nach einem Schlaganfall und bei Parkinson: Wie wir helfen können

vor 2 Stunden
6 Min. Lesezeit

Ein Schlaganfall verändert das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen oft von einer Sekunde auf die nächste. Bewegung, Sprache, Wahrnehmung oder alltägliche Fähigkeiten können eingeschränkt sein – manchmal leicht, manchmal schwer. Doch mit der richtigen Unterstützung lässt sich vieles zurückgewinnen. Ergotherapie zählt dabei zu den wichtigsten Bausteinen der Rehabilitation.



In diesem Artikel zeigen wir, wie Ergotherapie Menschen nach einem Schlaganfall unterstützt, welche therapeutischen Ansätze eingesetzt werden und welche Fortschritte möglich sind. Zudem geben wir einen kurzen Überblick, wie Ergotherapie auch bei Erkrankungen wie Parkinson helfen kann. Wichtig ist, dass dieser Artikel nur einen Auszug der Methoden zeigt und nicht auf Vollständigkeit beruht.


Ergotherapie nach einem Schlaganfall

Ein Schlaganfall kann Motorik, Wahrnehmung, Sensibilität, Kognition und Orientierung massiv beeinträchtigen. Die Therapie beginnt möglichst früh und begleitet Betroffene oft über Monate oder Jahre. Ziele der Behandlung

  • Verbesserung der Arm- und Handfunktion

  • Förderung der Körperwahrnehmung

  • Wiederaufbau von Alltagskompetenzen

  • Reduktion von Spastik

  • Kompensation bleibender Defizite

  • Training von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Orientierung

Motorisches Training / Arm-Hand-Rehabilitation


Constraint-Induced Movement Therapy (CIMT)

  • Der nicht betroffene Arm wird zeitweise eingeschränkt.

  • Intensives Training zwingt das Gehirn, die betroffene Seite wieder zu aktivieren.

  • Förderung der Willkürmotorik und des funktionellen Armgebrauchs.


Propriozeptives Training Propriozeption bedeutet Tiefensensibilität – also die Fähigkeit unseres Körpers, die Position, Bewegung und Spannung der einzelnen Körperteile wahrzunehmen, ohne hinsehen zu müssen. Nach einem Schlaganfall kann die Propriozeption gestört sein, sodass Bewegungen ungenau oder unsicher wirken. Inhalte des Training:

  • Gelenkkompression

    Sanfter Druck auf Gelenke aktiviert die Tiefensensibilität -> stabilere Bewegungen, bessere Muskelaktivierung.

  • Leichter Widerstand

    Training mit Theraband, Gewichten oder manueller Unterstützung -> Verbesserung der Kraftdosierung und Bewegungssteuerung.

  • Übungen in geschlossenen Ketten

    Hände oder Füße bleiben fixiert (z. B. Aufstützen auf Tisch oder Wand) -> fördert Stabilität und kontrollierte Bewegungen.

  • Material- und Tastsinntraining

    Einsatz verschiedener Materialien wie Bälle, Knete, Bürsten -> zusätzliche Reize für bessere Körperwahrnehmung.

  • Koordinations- und Gleichgewichtsübungen

    Gewichtsverlagerungen, Balance-Pads, gezielte Arm-/Beinbewegungen -> Verbesserung von Balance und Bewegungsgenauigkeit.

  • Funktionelles Alltagstraining

    Greifen, Tragen, Sortieren, Anziehen, Haushaltsaufgaben -> direkte Übertragung in den Alltag.


Task-oriented Training

Beim Task-oriented Training werden Bewegungen direkt in echten Alltagsaufgaben geübt. Statt isolierte Bewegungen zu trainieren, führt der Patient zielgerichtete, funktionale Tätigkeiten aus, z. B.:

  • Greifen und Platzieren von Gegenständen

  • Tasse heben und abstellen

  • Schneiden, Schreiben, Sortieren

  • Knöpfen, Reißverschluss schließen


Spiegeltherapie

Wirkprinzip: Der Spiegel zeigt das bewegte gesunde Körperteil so, als wäre es die betroffene Seite. -> Das Gehirn interpretiert diese Täuschung als Bewegung der gelähmten Seite -> Aktivierung geschädigter Hirnareale.

Anwendung:

  • Bewegungen mit der gesunden Hand vor dem Spiegel

  • Bilaterale Übungen

  • Feinmotorische Übungen wie Greifen, Drehen, Schreiben



Bobath-Therapie: Das Bobath-Konzept ist ein weltweit etabliertes neurophysiologisches Behandlungssystem für Menschen mit zentralneurologischen Schädigungen.

Behandlungsprinzipien

  • Verbesserung von Bewegungskontrolle, Gleichgewicht und Haltung

  • Tonusregulation: Spastik reduzieren, schwache Muskeln aktivieren

  • Etablierung funktioneller Bewegungen (Greifen, Stehen, Gehen, Transfers)

  • Nutzung der Neuroplastizität

  • Alltagsorientiertes, individuelles Training

  • Frühzeitige Integration der betroffenen Körperseite (z. B. bei Hemiparesen, also einer halbseitigen Lähmung)


Typische Bobath-Übungen:

  • Handling- und Lagerungstechniken

  • Training symmetrischer Bewegungen

  • Übungen für Arm-, Rumpf- und Beinaktivität

  • Positionswechsel, Bettmobilität, Aufstehen

  • Üben von ADL: Essen, Waschen, Haushaltsführung


Sensibilitätstraining

Sensible Störungen sind nach Schlaganfall häufig. Die Ergotherapie arbeitet systematisch daran, Reize wieder wahrzunehmen und zu unterscheiden.


Methoden:

  • Thermische Reize: warm/kalt

  • Taktile Reize: Bürsten, verschiedene Materialien, Vibration

  • Differenzierungstraining: weich/hart, rau/glatt, leicht/schwer

  • Lokalisations- und Diskriminationstraining

Ziel: Eine sichere, qualitativ gute Bewegung wird erst durch gute Sensibilität möglich.

Behandlung visueller und räumlicher Wahrnehmungsstörungen

(= neglect)

Ein Neglect ist eine schwere Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsstörung. Betroffene ignorieren eine Raum- oder Körperseite (meist links). Die Ergotherapie ist oft der zentrale therapeutische Ansatz, weil sie Wahrnehmung funktionsorientiert wieder trainiert und Kompensation fördert.


Explorationstraining:

  • Gezieltes Üben des Blicküberstreifens nach links/rechts

  • Markierungen am Rand eines Buches oder Arbeitsblatts

  • Systematische Arbeitsstrategien, z. B. “von links nach rechts abscannen”

  • Nutzung von Blickwinkeln und Fixationspunkten

  • Üben mit realen Objekten (Teller, Kleiderschrank, Spiegel)

Transfer in den Alltag

  • Zeitungslesen: Linien und Startpunkte markieren

  • Zähneputzen: Spiegeltraining mit bewusster Blickführung

  • Einkaufen: Regale scannen (bspw. von links nach rechts)



Spiegeltherapie:

Wie bei der motorischen Rehabilitation wirkt der Spiegel auch hier als Aufmerksamkeitsverstärker.

Anwendung:

  • Arm-/Handbewegungen (bspw. Faust machen, den Tisch abwischen)

  • Feinmotorikübungen (bspw. Münzen stapeln)


Kognitives Training

Stärkung der mentalen Fähigkeiten druch:


  • Aufmerksamkeit und Konzentration

  • Kurz- und Langzeitgedächtnis

  • Problemlösung und Planung

  • Dual-Task-Training (z. B. Gehen und gleichzeitig eine Aufgabe lösen)



Alltagsorientiertes Training / ADL

Das Alltagsorientierte Training ist ein zentraler Bestandteil der Ergotherapie nach Schlaganfall.

Das Ziel ist, die Selbstständigkeit im täglichen Leben wiederherzustellen und die erlernten motorischen und kognitiven Fähigkeiten in alltäglichen Situationen anzuwenden.

Beispiele für ADL-Übungen

  • Anziehen / Ausziehen: bewusste Nutzung beider Seiten, Bewegungsplanung

  • Essen und Trinken: Greifen, Halten, Koordination

  • Körperpflege: Waschen, Zähneputzen, Haare kämmen

  • Mobilität: Treppensteigen, Transfers, Orientierung im Raum

  • Haushaltsaktivitäten: Tisch decken, Wäsche falten, Einkaufen

  • Hilfsmittelgebrauch: Besteckanpassungen, Greifhilfen, Rollatoren, um Bewegungen zu erleichtern und Sicherheit zu geben


Beratung & Umfeldanpassung

  • Wohnraumanpassung (Haltegriffe, Rampen, Sturzprophylaxe wie Teppiche entfernen)

  • Positionierung von Lichtquellen

  • Anleitung von Angehörigen

  • Strategien für Alltag, Pflege und Kommunikation



Ergotherapie bei Parkinson

Parkinson führt zu Bewegungsverlangsamung, Steifigkeit und motorischen Blockaden – aber auch zu Einschränkungen in Kognition, Stimmung und Alltagskompetenz. Ergotherapie unterstützt Betroffene dabei, ihren Alltag möglichst selbstständig zu gestalten. Ziele der Ergotherapie bei Parkinson

  • Förderung flüssiger und funktioneller Bewegungen

  • Verbesserung von Feinmotorik und Handgeschicklichkeit

  • Strukturierung und Organisation des Alltags

  • Reduktion von Sturzrisiken

  • Unterstützung von Selbstständigkeit und Lebensqualität

Bewegungsförderung und Mobilität

Ziel: Bewegungsabläufe wieder flüssiger und sicherer gestalten.

Typische Maßnahmen:

Techniktraining für funktionelle Bewegungen: 

  • Aufstehen aus dem Stuhl oder Bett: Schritt-für-Schritt-Anleitung, richtige Gewichtsverlagerung, Einsatz der Arme zur Stabilisation

  • Ankleiden: Strategie entwickeln, um Hemden, Hosen oder Schuhe trotz Muskelsteifigkeit sicher anzuziehen

  • Umschichten und Drehen im Bett: Koordination von Armen, Beinen und Rumpf trainieren, um Blockaden zu vermeiden


Förderung flüssiger Bewegungsabläufe:  Parkinson führt häufig zu kleinen, langsamen und abgehackten Bewegungen. Ergotherapie hilft, Bewegungsabläufe bewusst zu steuern und zu vergrößern:

  • Gehtraining: kontrollierte Schritte, gleichmäßiger Armschwung, bewusstes Abrollen des Fußes

  • Schrittweiten-Übungen: größere Schritte trainieren, um das typische kleine Schlurf-Gangbild zu verringern

  • Dynamische Bewegungen: z. B. Drehen oder Richtungswechsel, um Alltagssituationen zu simulieren

Strategien gegen Freezing:  “Freezing” bezeichnet plötzliche Bewegungsblockaden, besonders beim Gehen. Ergotherapie bietet verschiedene Hilfsmittel und Techniken:

  • Rhythmische Hilfsmittel: Musik oder Metronom, um Schritte im Takt auszuführen

  • Visuelle Marker: Linien oder Markierungen auf dem Boden, um Schritte zu initiieren

  • Geh-Hilfsmittel: Gehstöcke oder Rollatoren gezielt einsetzen

  • Mentale Strategien: Blickführung, mentale Vorankündigung der nächsten Schritte

Ziel: Freezing verhindern, Selbstvertrauen beim Gehen erhöhen, Sturzrisiko reduzieren.


Rumpf- und Gleichgewichtstraining: 

Ein stabiler Rumpf ist die Grundlage für alle Bewegungen. Parkinson-Patienten neigen zu Haltungsinstabilität, was die Sturzgefahr begünstigt.

  • Sitz- und Standübungen: Rumpfkräftigung, Gewichtsverlagerung, Stabilisation

  • Gleichgewichts-/Koordinationstraining: gezielte Übungen für Gleichgewicht, z. B. auf einem Balance-Pad oder einem Bein

  • Dynamisches Training: Rotation, Beugen, Strecken – alltagsnahe Bewegungen üben

LSVT®-BIG-Therapie Die BIG-Therapie ist speziell für Parkinson entwickelt und fokussiert auf große, bewusste Bewegungen:

  • große Schritte

  • weite Armbewegungen

  • dynamische Drehungen des Oberkörpers


Diese Übungen werden oft mit Alltagsbezug kombiniert, z. B. Greifen nach Gegenständen, Schritte über Hindernisse, reichen und heben von Alltagsgegenständen



Feinmotorik und Handgeschicklichkeit

Parkinson erschwert die Feinmotorik, weil Hände und Finger langsamer, steifer oder zitternd werden, was präzise Bewegungen wie Schreiben, Knöpfen oder Greifen erschwert. Ergotherapie trainiert gezielt Fingerkoordination und Greifkraft, um Alltagshandlungen wieder leichter auszuführen.

Typische Übungen:

  • Schreiben, Knöpfen oder Besteck benutzen

  • Münzen greifen, Stifte halten

  • Kneten, kleine Gegenstände sortieren

  • Spiele und Übungen, die Fingerbewegungen trainieren


Alltagssorientiertes Training

(= ADL) Um den Alltag so weit wie möglich wieder bzw. weiterhin selbstständig zu meistern, kommen folgende Methoden zum Einsatz:

  • Anziehen und Ausziehen: Strategien entwickeln, um Hemden, Hosen oder Schuhe trotz steifer Muskeln selbstständig anzuziehen

  • Essen und Trinken: Besteck sicher halten, Teller greifen, Flüssigkeit einschenken, trinken und essen

  • Körperpflege: Zähneputzen, Haare kämmen oder Waschen, ggf. mit Hilfsmitteln unterstützt

  • Kochen und Haushaltsarbeiten: Rühren, Schneiden, Tisch decken oder Wäsche falten

  • Hilfsmittel einsetzen: Griffhilfen, Besteckanpassungen oder rutschfeste Unterlagen zur Erleichterung der Aufgaben


Sturzprophylaxe

Maßnahmen:

  • Gleichgewicht und Rumpfstabilität trainieren

  • Gehen auf unebenem Boden, Treppen und Richtungswechsel üben

  • Hindernisse erkennen und ausweichen

  • Hilfsmittel wie Gehstock oder Rollator nutzen

  • Wohnung anpassen: Haltegriffe, rutschfeste Flächen


Ziel: Bewegungen sicherer machen, Stürze vermeiden und Selbstständigkeit erhalten.



Fazit

Ergotherapie begleitet Sie nicht nur während der Behandlung in der Praxis – sie wirkt vor allem dort, wo Ihr Alltag stattfindet: zu Hause. Mit einfachen Übungen, bewusst gesteuerten Bewegungen und kleinen Anpassungen im Wohnumfeld können Sie selbst aktiv dazu beitragen, Ihren Alltag sicherer, leichter und selbstständiger zu gestalten. Jede regelmäßige Übung, jede bewusste Bewegung und jeder gut vorbereitete Tagesablauf unterstützt Sie dabei, trotz Parkinson möglichst selbstbestimmt zu bleiben.



Unser Angebot

Unsere Ergotherapeut*innen stehen Ihnen bei allen Fragen rund um Bewegung, Alltag, Sicherheit und Hilfsmittel gerne zur Seite. Wir geben Ihnen praktische Tipps für zu Hause, unterstützen Sie bei Übungen, die Sie selbstständig durchführen können, und beraten Sie bei der Auswahl sinnvoller Hilfsmittel.




Quellen:


Der Blogbeitrag wurde unter Einsatz eines KI-gestützten Sprachmodells (Claude) zur sprachlichen Optimierung und Strukturierung erstellt. Alle generierten Inhalte wurden von der Redaktion kritisch geprüft, angepasst und verantwortet.


bottom of page